Halloween vs. Reformationstag

Philipp Mißfelder, der Chef der „Jungen Union“, bringt es in der „Bild“-Zeitung wieder einmal auf den Punkt: „Der von Kürbissen geprägte Karnevalsersatz verdrängt die traditionelle Zeit der Besinnung.“ Als braver Christenmensch mag man da die Hände zum Himmel erheben und ihm flehentlich beipflichten: „Wollen wir unsere Kinder lieber mit Monstermasken zum Bonbonbetteln auf die Straße schicken, anstatt ihnen das religiöse Fundament unserer Gesellschaft näher zu bringen? Ich sage: Nein. Wir sind in der Pflicht, christliche Traditionen gegen den Zeitgeist zu verteidigen, mag er noch so locker daherkommen.“ (Bild.de vom 30.10.2010)

Nun ja, dieser Einwurf dürfte von seinem Gehalt her gegen jeden hohlen Kürbis locker bestehen. Wer durch den Zeitgeist christliche Werte in Gefahr wähnt, dem sei ein Besuch auf der Wartburg empfohlen. Denn auch das Christentum gibt sich durchaus modern. Mag der Reformator als misepetriger Mönch noch so sehr gegen den Ablasshandel gewettert haben – „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt.“ – sein Konterfei wird an der Stätte seines Wirkens derzeit als Einkaufchip feilgeboten. Um auf das Thema zurückzukommen: Der Reformator selbst dürfte sicher nichts gegen den Spuk an der Haustür einzuwenden gehabt haben. Hat er doch seinerzeit eigenhändig seine Prothesen an die Schloßküche zu Wittenberg genagelt.  🙂

 

 

 

 

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Brillenträger
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