Heimat auf Zeit

Jänschwalde 1Film- und Diskussionsabend der AG Energie von attac Berlin: Donnerstag, den 6. Februar 2014 um 19:00 Uhr im attac Treff in der Grünberger Straße 24, 10243 Berlin

Mit einem Film- und Diskussionsabend zum Thema Braunkohletagebau in Brandenburg startet die AG Energie von attac Berlin in das Jahr 2014.

Der Dokumentarfilm „Heimat auf Zeit“ von Peter Benedix, der erstmals 2010 in den Kinos zu sehen war, beleuchtet die Hintergrunde der aktuellen Tagebauvorhaben des Energiekonzerns Vattenfall in Brandenburg und macht in atmosphärisch dichten Bildern deutlich, welche Auswirkungen diese Form der Energiegewinnung für die von Umsiedlung betroffenen Menschen hat. Der Film begleitet einzelne Protagonisten vor allem aus der Region der drei Dörfer Kerkwitz, Atterwasch und Grabko bei ihrem Protest gegen den Energieriesen Vattenfall. Er zeichnet nach, wie die Bewohnerinnen und Bewohner vor vollendete Tatsachen gestellt wurden und wie sie beginnen, sich dagegen zu wehren. Er dokumentiert aber auch das Arbeitsumfeld der Menschen, die im Braunkohletagebau beschäftigt sind und davon leben. Die Stärke des Films ist, dass der Regisseur nicht wertet, sondern die Kamera laufen und die Bilder für sich sprechen läßt. Dabei sind einmalige Aufnahmen entstanden aus der Zeit des Volksbeghrens „Keine neuen Tagebaue“ aus den Jahren 2008-2009.

Aktive der AG Energie von attac Berlin laden ein, anhand des Films ins Gespräch zu kommen über die Strukturen einer privatisierten Energieversorgung und liberalisierter Energiemärkte in der Hand von Konzernen wie Vattenfall. Gleichzeitig wollen die Globalisierungskritiker über die aktuellen Energiekämpfe in der Region Berlin-Brandenburg informieren und für die nächsten Aktionen, wie die Energiewende-Demo am 22. März 2014 in Potsdam mobilisieren.

Hintergrund: Braunkohle ist der wichtigste Energieträger der Region. Doch diese Form der Energieversorgung kann sich Berlin längst nicht mehr leisten. So macht etwa der energie- und entwicklungspolitisch arbeitende Verein PowerShift e.V. in seinem aktuellen „Steckbrief zur Klima- und Ressourcengerechtigkeit“ deutlich, dass gerade die Hauptstadt eine Vorreiterolle einnehmen muss in Sachen einer entwicklungs- und klimagerechten Energieversorgung. Nach PowerShift stammt rund die Hälfte der innerhalb der Stadt Berlin eingesetzten Energie aus der klimaschädlichen Kohle (48,5% Steinkohle / 8,5% Braunkohle)[i]. Und die Tendenz ist steigend. Der Strom- und Wärmemarkt wird dabei hauptsächlich vom schwedischen Energiekonzern Vattenfall kontrolliert, der auch in der Brandenburger Lausitz den Braunkohletagebau betreibt. Drei Stein- und ein Braunkohlekraftwerk zählt Vattenfall in Berlin zu seinem Kraftwerkspark. Dazu kommt in Brandenburg das monströse Braunkohlekraftwerk Jänschwalde als eines der größten CO2 – Schleudern in Europa. Trotz massiver Proteste will der Konzern weitere vier Braunkohletagebaue erschließen. Damit können seine Kraftwerke noch über 2050 hinaus laufen.

Doch die Zeit für ein Umdenken in der Region drängt: Zwar haben sich die Staaten der Erde bei internationalen Klimaverhandlungen auf das 2 Grad Ziel geeinigt, doch um die Auswirkungen des Klimawandels noch ansatzweise beherrschbar zu machen, darf sich die Erdatmosphäre im Vergleich zur vorindustriellen Zeit (1850 n.Chr.) um nicht mehr als 1,5 Grad erwärmen. 0,8 Grad sind bereits erreicht. Nach Angaben der internationalen Energieagentur (IEA) lag der CO2 Ausstoß pro Kopf  im Jahr 2012 bei 9,14 Tonnen.[ii]

„Unter dem Gesichtspunkt von Klimagerechtigkeit müssen sich die Pro-Kopf-Emissionen der Länder weltweit mittelfristig angleichen – auf einem niedrigen Niveau von 1-2 Jahrestonnen pro EinwohnerIn“[iii]  schreibt PowerShift.

Darüber hinaus müssen die Industrieländer als Hauptverursacher den Ländern des globalen Südens bei der Anpassung an den Klimawandel und dem Aufbau postfossiler und souveräner Energiesysteme nach lokalen Bedürfnissen unterstützen.

Will man den Klimawandel aufhalten, müssen die Rohstoffe im Boden bleiben! An diesem Punkt wird es brisant für Energiekonzerne wie Vattenfall. Denn was als Kohle real noch in der Erde schlummert, befindet sich ökonomisch längst schon an der Oberfläche: Zu erwartende Gewinne aus der Förderung und Vermarktung stecken als Sicherheiten längst schon in den Aktienkursen und Krediten auf denen ihr Geschäft aufgebaut ist. Deshalb wehren sich Energiekonzerne wie Vattenfall so vehement gegen die Energiewende und die Beschränkung der CO2 Emissionen. Denn ohne die Verwertung der Bodenschätze würden Unternehmen wie Vattenfall massiv an Wert verlieren.[iv] Globalisierungskritiker halten entgegen: Berlin braucht dringend einen Ausstiegsplan aus dem Energieträger Kohle.

Die AG Energie von attac Berlin setzt sich von einer globalisierungskritischen Perspektive aus mit der Energieversorgung in der Region Berlin-Brandenburg auseinander. Sie ist Mitinitiatorin des Berliner Energietisches und kämpft gemeinsam mit anderen Bündnispartnern in einem breiten Netzwerk für eine demokratische, ökologische und soziale Energieversorgung.

Die AG Energie trifft sich immer jeden 4. Mittwoch im Monat um 19:00 Uhr im attac Treff in der Grünberger Straße 24 in 10243 Berlin


[i] „Berlin kann sich Kohle nicht mehr leisten“ – Steckbrief zur Klima- und Ressourcengerechtigkeit, PowerShift e.V. (Hrsg.), Berlin 2013, S. 2

[ii] PowerShift, 2013, S. 4

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