Was bringt es, Montag rot zu tragen?


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Für Montag den 2. Mai 2016 um 17:00 Uhr ruft eine weltweit aktive Solidaritätsbewegung zu einer Protestkundgebung auch in Berlin auf. Unter dem Hashtag #aleppoisburning kündigen derzeit Aktivist*innen auf der ganzen Welt Mahnwachen und Kundgebungen an, um an das Leid der Bevölkerung in der syrischen Metropole Aleppo zu erinnern. Anlass sind die trotz einer international vereinbarten Waffenruhe andauernden Angriffe der syrischen und russischen Luftwaffe auf die von den Rebellen gehaltenen Stadtteile. Getroffen wurden bisher mehrere medizinische Einrichtungen und Krankenhäuser, die u.a. von internationalen Hilfsorganisationen wie den “Ärzten ohne Grenzen” betrieben werden. Für Berlin bitten die Aktivist*innen darum, als Zeichen der Anteilnahmen die Farbe rot zu tragen. Auch im Sozialen Netz färben immer mehr Nutzer*innen von facebook ihr Profil rot.

Was ändert es, sein facebookprofil rot zu färben?

In allen Kriegen sind Krankenhäuser, Schulen und kulturelle Einrichtungen beliebte Ziele von Angriffen. Kaum einer der kämpfenden Parteien wird ad hoc ihr Verhalten ändern, weil die facebook-Community in Europa und anderswo ihr facebookprofil ändert. Ein rotes facebookprofil allein wird niemanden dazu bringen, sich an die Genfer Konventionen zu halten. Andererseits ist es aber ein Zeichen der Anteilnahme. Als es das Internet noch nicht gab, hat man Kerzen angezündet.

Lassen sich Diktatoren einfach wegklicken?

Nein, aber soziale Netzwerke wie facebook haben sich seit einigen Jahren als das Leitmedium erwiesen, in dem nicht nur über das Weltgeschehen berichtet, sondern in dem es auch diskutiert wird. Konflikte finden von daher nicht nur “real” statt. Auch “virtuell” kämpfen Parteien vehement um Deutungshoheit, Stimmen, Meinungen und Köpfe. Diktatoren wie Assad darf man hier keinen Raum lassen. Eine Armee von Internettrollen verbreitet ohnehin schon zu viel Nebel in Kommentarspalten. Wer selbst auf facebook aktiv ist, kann hier ein Zeichen setzen und in seiner eigenen Öffentlichkeit zumindest verbal für die Opfer von Krieg und Gewalt eintreten.

Warum ist es so wichtig, am Montag für Aleppo zu demonstrieren?

Auch facebook kann die Teilnahme an Demontrationen und Mahnwachen in der realen Welt nicht ersetzen. Doch nirgendwo sonst kann man sich so schnell informieren, vernetzen und effizient organisieren. Aber “teilnehmen” allein, reicht nicht. Man muss auch hingehen.

Bei vielen Kriegen und Katastrophen entschließen sich die Menschen spontan, ihr Mitgefühl zum Ausdruck zu bringen. Bei Terroranschlägen oder Erdbeben kommen die Einwohner*innen oft innerhalb von wenigen Stunden zu tausenden zusammen, um ihre Anteilnahme zu bekunden. Syrien erlebt seit fünf Jahre eine der größten Katastrophen der Menscheitsgeschichte. Doch eine Welle der internationalen Solidarität ist bisher nahezu ausgeblieben. Mahnwachen und Demonstrationen gegen Bomben, Hunger und das Verschwinden zehntausender Gefangener finden selten statt. Gerade klassische soziale Bewegungen, wie etwa die Friedensbewegung, hüllen sich in Schweigen, wenn es nicht die “richtigen” sind, die man anklagen kann.

Die Menschen in Syrien brauchen aber ein Signal, dass die Welt sie nicht vergessen hat. Sie brauchen auch eine Öffentlichkeit, in der nicht irgendwelche “Experten” die Lage im Land erklären, sondern die Betroffenen selbst zu Wort kommen. Zwar gibt es keine Patentlösung, wie der Krieg Assads gegen die eigene Bevölkerung oder das Treiben religiöser Extremisten schnell beendet werden kann. Doch hat gerade die Zivilgesellschaft in Syrien konkrete Forderungen, auf die sie die Welt verpflichten will. Weniger Bomben sind mehr. Und solange sich eine Flugverbotszone nicht durchsetzen lässt, ließe sich immerhin eine “no bombing-zone” oder ein “air-drop” von Lebensmitteln international verabreden. Doch zunächst einmal müssen die Bomben gestoppt werden, wie ein Netzwerk syrischer Initiativen fordert.

In diesem Sinne ist eine starke Beteiligung an der Demonstration am Montag entscheidend. Denn so lässt sich der Diskurs im eigenen Land prägen und Druck auf die eigene Regierung ausüben, ein Verbleiben von Assad nicht als das vermeintlich kleinere Übel etwa im Kampf gegen den “islamischen Staat” zu akzeptieren.

Wir sehen uns am Montag


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