Springt nicht, bevor klar ist, wer den Bademeister bezahlt!


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Angesichts der dramatischen Lage in Aleppo organisieren in den kommenden Tagen Aktivistinnen und Aktivisten wieder Mahnwachen, Demonstrationen und Aktionen für die unter dem Krieg leidende Bevölkerung in Syrien. Die Organisator*innen sind jedoch ausnahmsweise einmal nicht nur Syrerinnen und Syrer. Das ist neu. Denn in der hiesigen Mehrheitsgesellschaft ist der Aufschrei der Empörung gegen die immensen Verbrechen gegen die Menschlichkeit bisher nahezu ausgeblieben. Auch im sechsten Jahr des Krieges von Machthaber Baschar al-Assad gegen die eigene Bevölkerung bleiben Syrerinnen und Syrer auf Protestkundgebungen meist unter sich. Die Gründe dafür sind vielfältig.

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Wenn jemand ins Wasser fällt, dann reicht man ihm die Hand. Manchmal jedoch sammelt sich zuerst am Uferrand eine Schar von Schaulustigen, die lebhaft darüber debattiert, warum der Mensch überhaupt hineingefallen ist. Die Schuldigen sind schnell ausgemacht. Und echte Kenner der Materie merken an, im letzten Jahr sei an dieser Stelle schon mal jemand ertrunken. Experten sagen voraus, das könne hier jederzeit wieder passieren. Bevor sich dann ernsthaft jemand bereit macht, in die Fluten zu springen, wird erst gefragt, wer eigentlich den Bademeister bezahlt. Überhaupt: Niemand dürfe auch nur irgendjemanden retten, bevor nicht ausgeschlossen sei, dass sie oder er nicht ganz andere Motive im Schilde führe. Derweil ist der arme Mensch möglicherweise längst ertrunken.
Über Syrien scheint ein eigenartiger Fluch zu liegen: Denn was Syrien angeht, fehlt es weder an Wissen, noch an Analysen. Über kaum einen Krieg wissen wir mehr, als über das tägliche Abschlachten von Zivilisten wenige Flugstunden von uns entfernt. Berichte von Menschenrechts- und Hilfsorganisationen sowie die offiziellen Dokumentationen der Vereinten Nationen bieten uns via Internet Fakten und ausführliche Berichten frei Haus. Seit Beginn der brutalen Niederschlagung der zivilen Proteste im Jahr 2011 liefern mutige Bürgerjournalstinnen ein ganzes Meer an authentischem Bildmaterial über die Ereignisse. Syrische Menschenrechtsnetzwerke dokumentieren namentlich in aller Ausführlichkeit aberzehntausende einzelner Schicksale. Sie belegen zudem sehr transparent, wie sie zu ihren Erkenntnissen kommen. Auch wenn seit 2011 zahlreiche weitere Gewaltakteure auf der Bühne erschienen sind: In Qualität und Quantität macht dem syrischen Diktator und seinen Verbündeten an Verbrechen so schnell niemand etwas vor. Die Fassbomben, das Aushungern ganzer Städte und das Verschwinden zehntausender in den Folterkellern des Regimes sind unübertroffen. Über 90 % der zivilen Opfer gehen auf ihr Konto.

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Liegt es an den Medien? Welche Chance haben Fakten gegen den lapidaren Satz, das alles ließe sich von unabhängigen Fernsehsesseln aus kaum überprüfen? Wen interessieren noch Beweise, wenn mit bedeutungsschwangerem Timbre der größte Journalist aller Zeiten irgendwann irgendwo irgendwen in welcher Schlucht auch immer interviewt? Das Thema “Syrien” füllt Schlagzeilen, Talkshows und Kommentarspalten. Auf die Straße treibt es die Menschen kaum. Vielleicht gibt es sogar ein Überangebot an Informationen, und die Menschen schützen sich, in dem sie nur noch die Schlagzeilen lesen. Vielleicht wirken die täglichen Bilder von den vielen Bombenopfern in den sozialen Medien wie die Warnhinweise auf Zigarettenschachteln. Man weiß zwar, dass es schrecklich ist, Konsequenzen hat es aber nur, wenn es einen selbst trifft.

 

Die nächsten Demos in Berlin:

Mittwoch, den 7. Dezember 2016 um 13:00 Uhr vor der russischen Botschaft:https://www.facebook.com/events/1192316530857501/

Samstag, den 10. Dezember 2016 um 16:30 Uhr vor dem Berliner Dom:https://www.facebook.com/events/626706604178061/

Samstag, den 17. Dezember 2016 um 12:00 Uhr vor dem Reichstag:https://www.facebook.com/events/378603462473943/

 

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