Codename Caesar: Warum die Dokumentation von Carance Le Caisne über die syrische Todesmaschinerie eines der wichtigsten Bücher der Zeit ist

Aufwühlend und bedrückend: Mit ihrem Bericht “Codename Caesar. Im Herzen der syrischen Todesmaschinerie” führt die französische Journalistin und Autorin Carance Le Caisne vor Augen, was kaum zu auszuhalten ist: Einem unter dem Pseudonym Caesar agierenden Militärfotografen ist es 2013 gelungen, tausende Fotos aus Syrien heraus zu schmuggeln, die belegen, wie systematisch die vom syrischen Regime betriebenen Folterzentren arbeiten und in welcher Dimension die Vernichtungslager in Assads Syrien betrieben werden. Das Buch ist aber nicht nur ein Beleg für die erschreckende Brutalität dieses Regimes, sondern auch ein Dokument der Tatenlosigkeit der Weltgemeinschaft und der bisher nur zaghaft unternommenen Versuche, das immense Ausmaß an Verbrechen irgendwie juristisch zu verfolgen.

Anfang 2014 wurden im Internet tausende Bilder syrischer Folteropfer publik, die Spuren grausamster Misshandlungen aufwiesen. Urheber der Aufnahmen ist ein syrischer Militärfotograf. War er vor der Revolution damit befasst, Todesfälle mit Beteiligung von Militärangehörigen zu dokumentieren, so bekam er nach Ausbruch der syrischen Revolution im März 2011 den Auftrag, ebenso die Leichen von Oppositionellen abzulichten, die in den Haftanstalten des Regimes zu Tode gefoltert worden waren. Das, was er zu fotografieren hatte, entsetzte ihn derart, dass er sich entschloss, die Bilder heimlich zu kopieren und außer Landes zu bringen. 2013 gelang ihm die Flucht aus Syrien. Weiterlesen „Codename Caesar: Warum die Dokumentation von Carance Le Caisne über die syrische Todesmaschinerie eines der wichtigsten Bücher der Zeit ist“

Die vom Sturm ernten – Ein Kommentar zu Michael Lüders neuem Syrien-Buch

Kaum einer der sogenannten “Syrienexperten” schafft es so häufig in die Spalten der Tageszeitungen und Rundfunksendungen, wie Michael Lüders. Anlässlich des Giftgaseinsatzes in der syrischen Ortschaft Chan Scheichun am 4. April 2017 war er wieder ein gefragter Gesprächspartner in Talkshows. Mit seinem neuen Buch “Die den Sturm ernten” versucht er, sechs Jahre nach Beginn der syrischen Revolution, die Debatte um den Krieg in Syrien neu zu beleben. Doch der Beitrag, den Lüders auf den Markt wirft, hat vor allem eine hohe Auflage zum Ziel. Inhaltlich bleibt das Buch dünn und bietet einen recht oberflächlichen und erschreckend eindimensionalen Zugang zum Thema.

Regimechange ist immer und überall

Die derzeitige Katastrophe in Syrien ist das Ergebnis einer westlichen Regimechange-Politik und eines von langer Hand geplanten Umsturzes gegen die Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Davon ist Michael Lüders so sehr überzeugt, dass er weit ausholt und die lange Geschichte der tatsächlichen und vermeintlich vom US-amerikanischen Geheimdienst CIA geplanten und durchgeführten Staatsstreiche referiert. Bereits seit den 50’er Jahren, so Lüders, arbeiten die Amerikaner als führende Nation der westlichen Welt daran, Regierungen, die der eigenen Politik im Wege stehen, zu beseitigen. So wurde Syrien bereits Mitte der 50‘er Jahre das Ziel von Umsturzplänen, die seit dem als Blaupause benutzt wurden, um entweder den Einfluß der Sowjetunion im Kalten Krieg einzudämmen, oder die Position im weltweiten Kampf um die Ölvorräte zu verbessern.    Weiterlesen „Die vom Sturm ernten – Ein Kommentar zu Michael Lüders neuem Syrien-Buch“